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LymphNetz Mitteldeutschland e.V.

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Selbstbehandlung zur Verbesserung des Lymphabflusses

Hier stellen wir Ihnen drei einfache Maßnahmen zur Verbesserung Ihres Lymphabflusses vor:

  • Freimachen der zentralen Abflusswege,
  • entstauuende Atemübungen und
  • Entstauungsgymnastik.

Diese sind nicht nur in Kombination mit der Dynamischen Kompressionstherapie (IPK / AIK) hilfreich und nützlich, sondern auch als Selbstbehandlung sehr zu empfehlen.

 

Freimachen der zentralen Abflusswege:

Legen Sie sich bequem auf den Rücken und entspannen Sie sich. Legen Sie Ihre Finger möglichst flach an die Schlüsselbeine und ver- schieben Sie die Haut kreisförmig (Abb. 1). Die Kreise sollen so groß sein, wie die Verschiebbarkeit der Haut es zulässt. Eine Kreisbewegung soll etwa eine Sekunde dauern (zählen Sie „einundzwanzig“). Wiederholen Sie die Übung fünfmal.

Wichtig: drücken Sie nicht und streichen Sie nicht über die Haut. Machen dann Sie dasselbe seitlich am Hals unterhalb der Ohrläppchen (Abb. 2). Danach verschieben Sie mit der flachen Hand die Bauchhaut seitlich des Nabels kreisförmig so weit wie möglich (Abb. 3). Ebenfalls im Sekundentakt und insgesamt fünfmal. Machen Sie das anschließend mit der anderen Hand auf der anderen Seite des Nabels. Behandeln Sie zum Abschluss die Lymphknoten in der Leiste mit beiden Händen (Abb. 4) in gleicher Weise (5 x 1 Sekunde). Unterstützend können Sie beide Beine massieren (Abb. 5, 6 und 7).

 

Entstauuende Atemübungen:

Diese sollten Sie unmittelbar vor und nach dem Freimachen der zentralen Abflusswege machen, können aber auch tagsüber ganz einfach nutzbringend durchgeführt werden. Legen Sie beide Hände übereinander auf den Bauch. Atmen Sie langsam tief durch die Nase ein. Atmen Sie dann durch den Mund kräftig aus und schließen dabei die Lippen locker, dass sie zu Flattern beginnen („Lippenbremse“). Kinder machen das, wenn sie „Autofahren“ spielen. Mit etwas Übung gelingt das ganz leicht, besonders wenn die Lippen feucht sind. Wiederholen Sie die Übung immer wieder etwa ein bis zwei Minuten lang.

Wichtig : Strengen Sie sich dabei nicht an. Atmen Sie nicht zu schnell und zu tief, sonst könnte Ihnen schwindlig werden.

 

Entstauungsgymnastik:

(Bitte Kompressions-Versorgung tragen!) Aufrecht stehend die Schulten vor und zurück kreisen, heben senken, vor- und zurückschieben. Dann die ausgestreckten Arme heben und senken und in alle Richtungen kreisen. Hände an den Nacken und die Ellenbogen bewegen. Hände in die Hüfte und die Ellenbogen bewegen. Arme anwinkeln und Ellenbogen zusammenbringen. Oberarme am Rumpf anlegen und Unterarme in alle möglichen Richtungen bewegen (auch „Scheibenwischer“). Arme heben, Unterarme hin- und herdrehen und mit den Händen Greifbewegungen machen. Anschließend flach hinlegen. Becken heben und senken. Mit den Beinen „Fahrradfahren“. Beide Beine anwinkeln und strecken (mit Armen abstützen). Beine abwechselnd heben und kreisen. Gestreckte Beine nach innen und außen drehen. Fersen abwechselnd zum anderen Knie bewegen. Fersen beugen und strecken. Danach in Seitenlage gestrecktes Bein heben und senken, dann Seite wechseln. Anschließend im Sitzen die Knie abwechselnd heben und senken. Ein Knie heben und Unterschenkel beugen und strecken, dann das andere Knie. Zehen kräftig heben, danach die Fersen, mehrmals wiederholen. Danach im Stehen mehrmals halb in die Hocke gehen. Auf Zehen stellen, Fersen heben, danach umgekehrt. „Marschieren“ auf der Stelle.

Wichtig : Immer auf sicheren Stand achten, Hinfallen vermeiden! Überanstrengen Sie sich nicht. Lassen Sie Ihre Fantasie walten und kombinieren Sie die Übungen etwa mit einem Ball oder Gummiband. Wenn Sie wandern, am besten mit Walkingstöcken. Aber immer mit Ihrer Kompressions-Versorgung

 

Hautpflege

Der beste Schutz vor Hautproblemen besteht in einer konsequenten Körperhygiene*, verbunden mit einer sorgfältigen, an die individuellen Probleme angepassten medizinischen Hautpflege. Das fängt mit der Hautreinigung an. Keinesfalls sollte dazu Seife verwendet werden. Seifen sind alkalisch (pH-Wert 10- 11), also das Gegenteil von sauer. In unserer Haut herrscht aber ein saures Milieu (pH-Wert 4-6). Seife neutralisiert den Säureschutz-mantel, entzieht der Haut Fett und bringt sie zum Quellen (weiße Finger bzw. Zehen nach langem Baden in der Wanne).

Eine unempfindliche gesunde Haut kann dies meist rasch ausgleichen, nicht jedoch eine trockene (= vorgeschädigte) Haut. Zur Reinigung der Haut geeignet sind milde, seifenfreie – am besten medizinische – Waschlotionen („Syndets“ = synthetische Detergents). Diese enthalten waschaktiven Substanzen (Tenside) für eine milde Reinigung, sie sind Hautneutral (pH-Wert 7) oder leicht sauer (pHWert ca. 5, wie der der haut).

Zum Duschen bzw. Baden empfiehlt sich die Verwendung von Duschölen mit rückfettender Wirkung. Das anschließende Trocknen soll gründlich geschehen. Das wird häufig als Nebensächlichkeit abgetan, ist aber wichtig, da feuchte Kammern Brutstätten für Pilze und Bakterien sind. Ganz besonders gilt dies für die Zwischenräume der Finger und Zehen, Hautfalten (Bauchfalten, Gesäßfalte, unter den Brüsten, Genitalbereich etc.), Gelenkbeugen (Knie, Ellenbogen, Achselhöhle) usw.

Für die Pflege der Haut im Bereich des Lymphödems dürfen nur milde medizinische (unparfümierte!) Produkte verwendet werden, da dort die Haut besonders empfindlich ist. Bewährt haben sich hier physiologisch wirkende Cremes und Lotionen, die natürliche, hautverwandte Fette und Öle (Mandelöl, Aloe vera-extrakt, Erdnussöl, Karotten Öl etc.) enthalten.

Für trockene Haut besonders geeignet sind Cremes in Form von Wasser-in-Öl- Emulsion (W/O-emulsion) mit einem geringen Wasseranteil. Sie sind hautfreundlich und legen sich wie ein Schutzfilm über die Haut. Um die Haut geschmeidig zu machen bzw. zu halten, sollten die Cremes natürliche Feuchthaltefaktoren (3-10 % Urea, Milchsäure etc.) sowie Barrierebildende Lipide (Cholesterin, Ceramide, Linolsäure etc.) enthalten. Folgende Substanzen sind Feuchtigkeitspendend bzw. Feuchtigkeitspeichernd: Harnstoff (Urea), Glycerol, ggf. in Kombination mit Harnstoff, Sorbitol, Dexpanthenol (auch „Panthenol“ genannt), Allantoin, Milchsäure).

Vorsicht: manche Produkte enthalten Allergieauslösende Bestandteile (Lanolin etc.). Diese sind ebenso zu meiden wie Produkte auf der Basis von Mineralfetten. Letztere bilden einen Film auf der Hautoberfläche, welcher Poren verstopfen kann. Produkte mit ätherischen Ölen können Hautreizungen hervorrufen. Bei Patienten mit einem bekannten Allergierisiko kann vor der Anwendung eines neuen Präparats ein 24-stündiger Verträglichkeitstest an einem gesunden Körperteil durchgeführt werden.

Die Hautpflege sollte zweimal täglich durchgeführt werden: morgens nach dem Duschen bzw. Waschen und abends nach dem Abnehmen der Kompressions- Versorgung. Bei sehr trockener Haut ggf. auch zwischendurch am Tag. In jedem Fall aber erst nach gründlichem Abtrocknen! Dabei gilt hier die Regel „viel hilft viel“ nicht! Hautpflegemittel sollten sparsam verwendet und – um den Lymphabfluss zu unterstützen – sanft aber gründlich in Richtung zum Körper hin streichend einmassiert werden.

Präparate aus natürlichen Rohstoffen werden von der Haut in der Regel innerhalb von 5 bis 10 Minuten aufgenommen. Das kann man daran erkennen, dass sich die Haut wesentlich glatter anfühlt und keine Rückstände des Produkts mehr auf ihr wahrzunehmen sind. Nur wenn das Pflegemittel vollständig eingezogen ist, darf der Kompressionsstrumpf angezogen werden. Nach Möglichkeit kann zweimal pro Woche ein rückfettendes Ölbad genommen werden. hier ist darauf zu achten, dass die Wassertemperatur nicht hoch ist. Dies würde zu einer verstärkten Durchblutung der haut führen, wodurch vermehrt Wasser (und Eiweiß!) in das Gewebe austritt und zu einer Ödem Verschlechterung führen kann.

Bei konsequenter Durchführung von richtiger Reinigung und Pflege der trockenen Haut ist oft schon nach relativ kurzer Zeit eine deutliche Verbesserung des Hautzustands festzustellen.
* Zur Körperhygiene im weiteren Sinne gehören auch eine ausgewogene Ernährung, genügend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft, Verzicht auf Rauchen (bereits eine Zigarette am Tag verschlechtert die Hautdurchblutung messbar), Schutz vor starker Sonneneinstrahlung (Sonnenstudio!), eisiger Kälte und starker Hitze sowie die Vermeidung von Stress.